Rückblick – Summer School & Lecture Day 2025

Die zweite SAG Summer School fand vom 28.09. bis zum 01.10. in Bialowieza an der polnischen Ostgrenze statt. Das Format der Summer School bot 32 Teilnehmende aus neun Nationen, die Gelegenheit für gemeinsame Messungen, Erfahrungsaustausch und Fachsimpeln in lockerer Athmospäre.  Den Abschluss der mehrtätigen Veranstaltung bildete der sog. Lecture Day, zu dem auch die breite Öffentlichkeit eingeladen war. Direkt im Anschluss, am 02.10., fand die jährliche Mitgliederversammlung der SAG statt.

Die Summer School begann am Sonntag, den 28.09. mit einer achtstündigen geführten Tour durch die streng geschützte Kernzone des Białowieża-Nationalparks, der als letzter Urwald Europas zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt worden ist. Bei dem Gebiet, das sich auch auf weißrussisches Territorium erstreckt, handelte es sich zunächst um eine heilige slawische Kult- und Begräbnisstätte, bevor der Wald zum königlichen Jagdgebiet und 1932 schließlich zum ersten Nationalpark Polens wurde. Sein Status schützte den Wald über viele Jahrhunderte bzw. Jahrtausende vor übermäßigen menschlichen Eingriffen, bevor im 20. Jahrhundert bedingt durch die beiden Weltkriege von russischer und deutscher Seite zahlreiche Altbäume im Schutzgebiet gefällt wurden. Heute befinde sich der Wald nach Angaben der Naturführer*innen wieder in einem guten Zustand und sei gegen Ereignisse wie Waldbrände gefeit, da er über ein enormes Wasserspeicherpotential verfüge. Auch die Klimaveränderungen könnten dem Wald bislang nichts anhaben, denn wenngleich sich die Artenzusammensetzung ändere, bleibe die Zahl der Bäume und Bestandsdichte gleich.

Da Programm am Montag und Dienstag wurde in gemeinschaftlicher Planung von allen aktiv mitgestaltet. Im ehemaligen Schlosspark am Nationalparkhaus wurden in kleineren Gruppen Zugversuche und Tomographien mit Geräten unterschiedlicher Hersteller durchgeführt. Zum Einsatz kamen Geräte von IML sowie der SIM-Gruppe und des ungarischen Herstellers Fakopp. Der Fokus lag dabei nicht auf dem Vergleich der persönlichen Vorgehensweise der jeweiligen Sachverständigen, sondern auf der Gegenüberstellung der Methodik der verschiedenen Anbieter. Nicht wenige konnten sich dabei hilfreiche Kniffe von Kolleginnen und Kollegen abschauen. Neben schwer geschädigten Bäumen wurden für die Untersuchungen vor allem schräg stehende Exemplare ausgewählt, deren Statik der Fachwelt weiterhin Rätsel aufgibt und bei deren Untersuchung viele Besonderheiten zu beachten sind. Im Anschluss an die Messungen folgte eine gemeinsame Auswertung der Daten und die Präsentation der Ergebnisse. Weiterhin hielten mehrere Teilnehmer Kurzvorträge oder stellten Fallbeispiele vor, um die Einschätzung ihrer Kollegen und Kolleginnen zu erfahren. Dabei boten einige Themen Anlass für ausgiebige Diskussionen, die während der Summer School keinen Abschluss fanden.

Die Summer School mündete am Mittwoch in den Lecture Day mit sieben spannenden, vielseitigen Vorträgen von Wissenschaftler*innen und Baumsachverständigen aus vier Nationen, die z.T. simultan ins Englische bzw. Polnische übersetzt wurden:

Den Anfang machten an diesem Tag Andrzej Keczynski (Białowieża Nationalpark, Polen) und Jerzy Stolarczyk (EkoTrek, Polen) mit Themenbezug zum Nationalpark und dem Erhalt von Uraltbäumen.

Thematisch knüpften Neville Fay und Paul Muir (Treework Environmental Practice, UK) an, mit ihren Erfahrungsberichten über das Management von Archebäumen und das von Fay entwickelte Konzept des „retenchment prunings“.

Emma Gilmartin (Arboricultural Association, UK) und Valentino Christini (Mendel-Universität Brünn, Tschechien) präsentierten die Erkenntnisse ihrer Untersuchungen zur Zusammensetzung und Verteilung von Pilzgesellschaften in Bäumen sowie den Veränderungen der Materialeigenschaften grünen Holzes infolge von Pilzbefall.

Steffen Rust (HAWK Göttingen) stellte seine Untersuchungsergebnisse zur Standsicherheit toter Bäume bzw. von Öko-Torsi sowie ergänzende Messmethoden der Stammbiegung bei Zugversuchen vor.

Den Abschluss machte Wojciech Bobek (Technische Universität Krakau, Polen) mit der Präsentation zahlreicher Fallbeispiele, die zeigten, wie Bäume nach Zugversuchen durch die Errichtung von Stützkonstruktionen erhalten werden konnten.

Am Ende der viertägigen Veranstaltungsreihe rauchten vielen Teilnehmenden die Köpfe. Besonders erfreulich und von allen lobend erwähnt wurden die inklusive Herangehensweise, der freundschaftliche Umgang, die sachlichen Diskussionen und der fachliche Austausch auf Augenhöhe. Diese intensive Auseinandersetzung mit baumfachlichen Themen bei gleichzeitig lockerer Programmgestaltung zeichnete bereits die erste SAG Summer School 2022 in Triest aus und soll künftig etwa alle drei Jahre wiederholt werden.